Jugendliche im Museum - ein Museum für Jugendliche? Neue Wege mit Jugendlichen im Schlesischen Museum zu Görlitz

Eine besondere AG macht es möglich! In Zusammenarbeit mit der Scultetus-Oberschule Görlitz entstand zu Beginn des Schuljahres 2015 /16 die AG Museumsscouts. Seitdem trafen sich im Schlesischen Museum zu Görlitz regelmäßig

Schülerinnen der 8. Klassenstufe. Das Erkunden verschiedenster Museumsinhalte hatte explorativen, interaktiven und dialogischen Charakter. Es wurde fotografiert, gezeichnet, GPS-Technik ausprobiert, genau hingeschaut und diskutiert.

Auch die Texte aktueller Lieblingslieder wurden in Verbindung mit Ausstellungsinhalten gebracht. Museumsrallyes wurden getestet, für sie bedeutsame Objekte ermittelt sowie polnische Sprachkenntnisse erprobt. So wurden die Museumsobjekte immer wieder neu betrachtet, auf deren Basis Emotionen und Meinungen ausgetauscht werden konnten.

Auf der Metaebene beschäftigten sich die Museumsscouts immer wieder mit Aspekten der Museumsarbeit:

  • Wie kamen die Objekte in die Vitrine? 
  • Welche Texte sind besonders gut zu lesen?
  • Wie wurden die Objekte positioniert? 
  • Wie macht das Museum auf sich aufmerksam? 
  • Welche Besuchergruppen werden angesprochen?
  • Fühlen sie sich selbst auch angesprochen?
  • Wirkt ein Museum über die Museumsmauern hinaus?

Es ging noch weiter: Auf Exkursionen ins Erzgebirge, nach Leipzig und Zgorzelec schärften die Museumsscouts nicht nur ihren Sinn für Museumsbesuche.

Im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig besuchten sie Restaurierungswerkstätten, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Sie staunten auch nicht schlecht bei der Besichtigung mutiger Möglichkeiten kritischer Interventionen, die es in der Sonderausstellung ,,fremd" zu sehen gab.

Auf der Manga-Comic-Con in Leipzig holten sie sich Inspirationen für eine schlesische Variante einer Manga-Figur.

Einer der Höhepunkte der gesamten Zeit war der Videoclip-Dreh zum Museumsjubiläum, welcher mit der Unterstützung des Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanals (SAEK) Görlitz realisiert wurde. Dabei entstand eine pointierte Zusammenfassung der Geschichte des Schlesischen Museums mit wertvollen Einblicken in die Sichtweisen Görlitzer Bürgerinnen und Bürger auf das Museum.

Über ein Schuljahr hinweg wurde das Schlesische Museum zu Görlitz somit zu einem Ort, den Jugendlichen mitgestalteten, ja vielleicht sogar zu ihrem Ort machten.

Sylvia Wackernagel

aus: Mitteilungsblatt des Schlesischen Museum zu Görlitz Nr. 26 | 6/2016